Archive | August 2014

BringBee saved Connie’s sanity

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Crowdlogistik in Europa und den USA: Was ist anders?

Vor kurzem haben wir amerikanische Firmen vorgestellt, deren Businessmodel von Crowdlogistik inspiriert wurde. Letzte Woche haben wir dann die US Firmen näher betrachtet und uns gefragt, ob man in den USA überhaupt wirklich Crowdlogistik betreibt?

Jetzt betrachten wir die europaïschen Unternehmen im Vergleich.

Uns interessieren die Kriterien.

  • Wie wird man Mitglied? Gibt es Hürden oder eine bestimmte Profilbeschreibung?
  • Was muss man an Ausrüstung mitbringen?
  • Wie wird der Mitbringjob zugewiesen?

AbgleichEU

Jeder kann Mitbringer werden

Grundsätzlich sind alle Plattformen der europäischen Startups offen: Jeder kann ein Mitbringer werden. Es gibt keine besonderen Hürden. Eine einfache Anmeldung per Email oder Facebook-Login genügt. Alle Mitglieder sind freiwillige Mitbringer und es gibt kein Angestelltenverhältnis zwischen den Plattformen und den Nutzern.

Das unterscheidet sich stark von den läufigen US-Modellen, wo Mitbringer nach stark vorgegebenen Kriterien vorausgewählt werden. (siehe auch vorherigen Artikel Gibt es Crowdlogistik in den USA schon?)

 

Private Ressourcen für den Transport

Ähnlich wie auch in den USA, bringen die Mitbringer alle notwendigen Ressourcen selbst mit: das eigene Fahrzeug oder das Smartphone. So können natürlich die Anschaffungs und Wartungskosten für teure Investitionen, wie Autos, ebenso gecrowdsourced werden. Dies ist in den USA genau so.

 

Selbstbestimmung

Grundsätzlich sind alle europäischen Modelle Marktplätze, wo Mitbring- und Lieferjobs aufgeschaltet werden und von Mitbringern angenommen werden können. Es besteht kein Zwang und keine Verpflichtung einen Job anzunehmen. Transporte sind auf rein freiwilliger Basis.

 

Europa vs USA

Crowdmodelle in den USA und Europa unterscheiden sich durch eine andere Erwartungshaltung und die emotionale Ansprache.

In den USA müssen Mitbringer erst einen Bewerbungsprozess durchstehen, bevor sie im System aktiv werden dürfen. Somit macht die Beziehung den Eindruck, als sei es ein klares Anstellungsverhältnis, ein Minijob, bei dem der Mitbringer vertraglich gebunden ist. Somit sind die Erwartungshaltungen gegenüber dem Mitbringer anders. Die klare Erwartungshaltung hat natürlich den Vorteil, dass selbt zeitkritische Lieferungen gemeistert werden können.

Ein weiterer klarer Unterschied besteht in der Kommunikation und dem Branding der Lösungen. In Europa basieren die Modelle auf Communities, auf dem Willen Gutes zu tun, sich gegenseitig und auch gleich der Umwelt zu helfen. Die wichtigsten Konzepte sind (i) effizienteres Nutzen von bestehenden Kapazitäten, (ii) die Minimierung des ökologischen Fußabdrucks, (iii) Aufbau von lokalen Communities, (iv) Hilfe von Kunden für Kunden. Der Austausch zwischen Personen, die zwischenmenschlichen Aspekte und der Nachhaltigkeitsgeadnke haben einen viel höheren Stellenwert. Die amerikanischen Konzepte sind reine Dienstleistungen für den modernen Konsumenten.


Was haltet ihr von den Ansätzen in Europa und den USA?

Was macht ein Ökonom, während ihr einkaufen geht?

Flurin Conradin (30), Volkswirt und Unternehmer* spielt Tennis, kocht oder arbeitet, während seine Einkäufen zu ihm nach Hause kommen.

Flurin Conradin

Der junger Volkswirt und Crowdfunding Fan: „Ich finde es eine super Initiative“.


Mitfahrgelegenheit für Pakete

„Als ich drei Jahre in Frankreich lebte, um an der Toulouse School of Economics mein Masterstudium zu absolvieren, bin ich sehr viel zwischen verschiedenen französischen Städten gereist, und immer via Mitfahrgelegenheit. BringBee ist ein Art Covoiturage oder Mitfahrgelegenheit für Pakete. Ich fand das ganz genial.

Mir gefällt der persönliche Kontakt zu Menschen am besten. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Da war es völlig normal, dass ich kurz zu meinen Nachbarn ging, um dies oder das auszuleihen. Sharing war sozusagen der Normalzustand. Jetzt wohne ich in einer ‘grossen’ Stadt und weiss nicht einmal, wie meine Nachbarn heissen.“

Vergessener Artikel rasch, günstig per BringBee

„Ich bin selber zum Ikea gefahren und logischerweise habe ich etwas vergessen: ein Saumband, was man braucht, wenn man zu lange Vorhänge kauft — damit man sie kürzen kann. Dann habe ich gedacht, „für ein Teil wieder zu Ikea zu fahren, das lohnt sich voll nicht!“ Also ich habe BringBee benutzt.

Für ein Teil wieder zu Ikea zu fahren, das lohnt sich voll nicht!’

Es war mega-einfach zu bestellen. Auf der BringBee Seite mit der Suchfunktion ist ‚Saumband’ sofort aufgehoppt und ich habe es bestellt. Ich habe es an einem Mittwochabend um 8 oder um 9 bestellt. Alles war unkompliziert. Es hat nicht lang gedauert. 10 Minuten vielleicht, inklusive Registration und um zu wählen, wann man die Lieferung haben will.“

Lieferung nach eigener Wahl: ausserhalb von Bürozeiten

Am folgenden Montag war die Lieferung für mich am besten. Es ist keine 2 Stunden gegangen und ich habe eine Email bekommen, dass es mir jemand am Montag mitbringt. Welcher andere Online-Service hätte so schnell und ausserhalb der Bürozeiten so ein Feedback gesendet? Ich habe dem BringBee eine Mitteilung geschickt, dass er das Päckli einfach in dem Briefkasten lassen könne, er müsse nicht läuten. Und das hat er gleich bestätigt, was das Vertrauen nochmal erhöht.“

Vertrauen und Anonymität

„Ich war zu Hause und habe gearbeitet. Und irgendwann war ich neugierig, weil der BringBee mir eine genaue Lieferzeit gesagt hat – sechs oder so. Die meisten Lieferservices halten Ihre Zeitspannen nie ein. Ich bin kurz nach sechs an die Tür gegangen und das Saumband war im Briefkasten. Ich habe gedacht: mega cool. Ich habe überhaupt keine Ahnung, wer meine Waren mitgebracht hat. Ich hätte das witzig gefunden, ihm kurz ,Merci‘ zu sagen.

Welcher andere Online-Service hätte so schnell und ausserhalb der Bürozeiten so ein Feedback gesendet?

Ich finde es auch super, dass ich erst meine Lieferung bestätigen muss, bevor die Zahlung überwiesen wird. Durch den ganzen Prozess ist das Vertrauen extrem hoch.“

Statt Einkaufen kann ich samstags alles mögliche machen

„An einem Samstag kann ich alles mögliche machen: ich kann Tennis spielen, einen Film anschauen, etwas Feines kochen. Für mich war die Motivation BringBee zu nutzen, Zeit und Geld zu sparen. Ich hasse es zum IKEA zu fahren. Hin und zurück, dauert es rasch eine Stunde, und dann muss ich durch das ganze Geschäft laufen. Insgesamt nimmt das locker den ganzen Samstagnachmittag in Anspruch. Geld habe ich auch gespart: Der Mitbringpreis war günstiger als mein Zugbillett.“

Das nächste Mal: warum nicht mit BringBee?

„Meine Nachbarn erinnern mich immer an BringBee. Sie bestellen extrem viele Sachen online und wenn ich das Haus verlasse, sehe ich regelmässig einen Stapel Päckli für meine Nachbarn an der Tür. Warum kommt es über ein Logistikzentrum mit DHL und nicht mit BringBee?

Ich werde vielleicht demnächst Bier mit BringBee bestellen.“

*Flurin ist Initiant vom Projekt StadtMilch. Stadtmilch will es Leuten in der Stadt Zürich wieder möglich machen, Milch vom Bauernhofen mit ihren eigenen Glasflaschen einzukaufen, um Transport- und Verpackungsmüll zu vermeiden und die Identifikation mit lokalen Bauernhöfen zu erhöhen. Im aktuell laufenden Crowd-Funding für das Projekt hat Stadtmilch schon 98% vom Ziel – 10,000 Franken – erreicht.

Gibt es Crowdlogistik in Amerika wirklich schon?

Vor kurzem haben wir Firmen vorgestellt, deren Businessmodel von Crowdlogistik inspiriert wurde. Jetzt nehmen wir die amerikanischen Firmen unter die Lupe. Handelt es sich hier tatsächlich um Crowdlogistik? Hier vergleichen die Firmen nach 2 Kriterien.

  • Wie wird man Mitglied? Gibt es Hürden oder eine bestimmte Profilbeschreibung?
  • Was muss man an Ausrüstung mitbringen?

AbgleichUS1

Klare Anforderungen

Bei den US Firmen gibt es ganz klare Anforderungprofile an die Mitbringer, die sich für eine Position als Mitbringer bewerben. Deliv erwartet zum Beispiel von Fahrern, dass sie volljährig sind, obligatorische Schulzeit absolviert zu haben, einen Van und Smartphone besitzen und nicht vorbestraft sind (siehe volle Anforderungsliste im Bild unten.). Instacart möchte Shoppers, die Fahrausweise besitzen und eine Autoversicherung haben… Somit sieht die Anmeldung eher aus wie ein Bewerbungsschreiben für einen regulären Job mit Anschreiben und Lebenslauf.

deliv hat eine klare Idee, wie Ihre Fahrer aussehen sollen

deliv hat eine klare Idee, wie Ihre Fahrer aussehen sollen

Bring your own everything Ein Grund, warum Crowd-Ansätze vielversprechend sind, ist natürlich, dass auch Anschaffungskosten gecrowdsourced werden. So kommen bei den Lieferungen die Privat-Autos der angemeldeten Mitbringer zum Einsatz. Ebenso müssen die Mitbringer ihr eigenes Smartphone mitbringen, damit Sie über die App über neue Lieferjobs informiert werden können. „Bring your own“ ist also ganz klar in allen Firmen verankert und ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber klassischer Logistik.


 

Kann man in den amerikanischen Fällen also tatsächlich von Crowdlogistik reden?

Was meinst du? Ist es noch Crowd, wenn man quasi ein „Anstellungsverhältnis“ aufbaut und die Anforderungsprofile stark einschränkt?  

Wie ich in 10 Minuten mehrere Stunden Arbeit spare? | Interview mit Katja

Katja erzählt, wie ihre Katzen sie zum BringBee machen und warum ein Mann im Anzug vor ihrer Tür steht.

Katja Graefenhain BringBee

Für Katja ist ihre Zeit wertvoll.

Katja Gräfenhain [@k_graefenhain], eine Sicherheits-Softwareentwicklerin und Frontend-Coderin in Zürich, rechnet genau, wie viel sie mit BringBee spart: zeitlich und finanziell. Die Vélofahrerin und Mobility Userin denkt aber auch nach, was es für die Umwelt bedeutet.

In 10 Minuten mehrere Stunden gespart

„Meine wichtigste Motivation BringBee zu nutzen ist die Zeit, die ich einspare, wenn ich kein Auto mieten muss und selber hinfahre. Ich brauche vielleicht 10 Minuten, um eine Einkaufsliste auszufüllen und ich bin erstaunt wie schnell die Aufträge angenommen werden und die Waren zu Hause sind.

Wenn ich alles zusammenrechne: Auto mieten, dann das Auto abholen, nach Spreitenbach oder Dietlikon fahren, zum IKEA gehen, durch den ganzen IKEA laufen, dann die Sachen suchen, bezahlen, zurückfahren, die Sachen nach Hause bringen, das Auto abgeben und wieder nach Hause gehen — das dauert schon zwei Stunden oder vielleicht sogar drei. Es kommt natürlich darauf an, was für ein Tag es ist. Wenn’s Samstag ist, dann dauert’s länger, drei bis vier Stunden sogar!“

Natürlich, rechne ich immer selber wie viel meine Zeit wert ist.

Time is money

„Ich habe vielen Leuten von BringBee erzählt. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Die einen sagen Ah! Cool! Muss ich mal ausprobieren” und es gibt andere die sagen „Ach nein – ich muss dafür etwas bezahlen, dann fahre ich lieber selbst.“ *

Es hat mich sehr erstaunt das zu hören! Und ich habe versucht, die Personen davon zu überzeugen, dass es ganz im Gegenteil sehr wenig kostet. Wenn man die Zeit und alles einrechnet, da spart man viel mehr. Aber tja! Natürlich, rechne ich immer selber wie viel meine Zeit wert ist. Diese Stunden kann ich dann für mich anders verwenden.“

[*Anmerkung von Stella: Gut, dass es Leute gibt, die unbedingt hinfahren wollen. Es braucht ja schliesslich auch noch Mitbringer in der BringBee Community ☺ ]

Freude, wenn die Sachen kommen

„Dann ist der zweite Gedanken hinter BringBee, dass CO2 eingespart wird, indem jemand der sowieso unterwegs ist, die Sachen mitbringt. Den finde ich auch sehr gut und den möchte ich unterstützen.

Das letzte Mal als ich was über BringBee bestellt habe? Daran kann ich mich gut erinnern: Es war ein Montag Nachmittag um zwei oder so. Ich war zu Hause, weil ich von einer Weltreise zurückgekommen und auf Jobsuche war. Mein BringBee hat geklingelt. Draussen stand ein Auto und an der Tür ein Mann: gross, schlank, dunkle Haare. Er hatte einen schicken, schwarzen Anzug an, was mich überrascht hat – angesichts der Tageszeit hatte ich einen Student erwartet. Deshalb hab ich nachgefragt.

Er wohnt in Spreitenbach, arbeitet in Zürich und hatte einen Kundentermin. Deshalb hat er mir die Sachen im Auto mitgebracht, weil er den Weg sowieso geschäftlich gemacht hätte und so die Sachen im Auto mitbringen konnte.

Das fand ich sehr, sehr toll.“

Vertrauen

„Ich habe von BringBee über soziale Netzwerke erfahren und fand es von Anfang an  eine super gute Idee. Die Motivation Sachen zu teilen schafft schon ein Grundvertrauen. Es hilft auch, dass die Bezahlung über die Plattform abgewickelt wird. Und ich weiss ja, dass das Geld erst abgebucht wird, wenn ich einverstanden bin.

Einmal habe ich Untersetzer für Gläser bestellt, aber im Geschäft gab es keine mehr in der Farbe. Daher konnte mein BringBee die nicht mitbringen. Ich fand das nicht schlimm – das war für mich voll okay. Vielleicht könnte man das irgendwie lösen, in dem man einen zweite Alternativ-Wahl angeben könnte?“

When cats attack

„Ich habe BringBee etwa drei Mal benutzt. Bei mir gehen die Gläser oft kaputt zu Hause und wenn ich merke, dass ich fast keine Gläser mehr im Schrank habe, denke ich eigentlich „ach je, jetzt ich kann die bei BringBee gleich nachbestellen.’

Am Wochenende habe ich mal geklickt und gesehen dass es jetzt viele neue Partner Shops gibt und denke dass ich die das nächste Mal probieren werde. Zwei mit skandinavischem Design [Mintgreen, Soeder] – die fand ich ganz toll – und Taste of Greece ist natürlich auch mal was anders. Und ich werde bei IKEA einen neuen Teppich bestellen, weil der jetzige von meinen zwei Katzen, Suza und Zorro, ziemlich zerstört wurde.

Die Katzen Suza und Zoro

Suza und Zoro. Frieden herrscht.


Wünschenswert: Leergut und Haustierbedarf

„Beim Brauerei Partnershop frage ich, ob es vielleicht auch möglich wäre, Leergut zurück bringen zu lassen. Das wäre eigentlich gut, wenn man handeln könnte über die Plattform.

Es wäre auch toll, wenn ein Haustier-Shop – ein Qualipet oder ein Fressnapf – integriert würde. Die sind nicht überall und man muss oft hinfahren. Es wäre mal praktisch mit dem Auto Katzenstreu oder so abholen zu lassen. So was hätte ich noch gern.“